Dienstag, 20. Januar 2015

Titel, Untertitel und Motto

Reue ist das Gefühl der Unzufriedenheit, der Abscheu, des Schmerzes und des Bedauerns über das eigene fehlerhafte Tun und Lassen, verbunden mit dem Bewusstsein (oder der Empfindung) von dessen Unwert und Unrecht sowie mit dem Willensvorsatz zur eventuellen Genugtuung und Besserung.
Doch so etwas wie Reue empfindet Katharina nicht. Eiskalt konnte sie Werner Tötges umbringen und empfand keinerlei Reue. Das schockiert mich. Ich verstehe Katharinas Wut auf diesen Mann. Er hatte schlimme Dinge getan. Ihr Leben zerstört. Katharinas Mutter das Leben genommen. Doch aus diesen Gründen jemanden umbringen? 
Hat Katharina kein schlechtes Gewissen? Anscheinend nicht. 

Das war es dann wohl. Das war mein Gedanke als ich das Buch zuklappte und bemerkte, dass es fertig ist. Die Seiten des Nachworts waren sehr gut, ich überflog sie fast, so schnell habe ich gelesen. Es war dunkel draußen. Es hatte Schnee. Ein perfekter Moment zu meinem Buch, die verlorene Ehre der Katharina Blum zu beenden. 
Titel: Die verlorenen Ehre der KatharinaUntertitel: Wie Gewalt entstehen kann und wohin sie führen kannMotto: Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Schilderung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken der Bild-Zeitung ergeben haben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig, sondern vermeidlich.
Weshalb hat Heinrich Böll den Titel, den Untertitel und das Motto in dem Nachwort so hervorgehoben?
Bei dem Titel kann ich es nachvollziehen. Katharina verlor ihre Ehre. Die Zeitung machte sie fertig und beschmutze ihre Ehre. Das Adjektiv „verloren“ ist auch sehr passend. Denn sind wird nie wieder ihre Ehre zurückerlangen. Ihre Geschichte, das Verliebt sein in einen Kriminellen, der Mord. Das alles bleibt an ihr hängen. Sie kann das nicht einfach so wegwaschen und so tun als wäre es nie passiert. Denn es ist passiert. Und viele wissen davon, weil die Zeitung alles öffentlich machen musste. Ich bin der Meinung, dass ihre Ehre noch mehr beschmutzt wurde. Denn Katharina hatte einen Mord begangen, das ist korrekt. Doch die Zeitung hat ihr viele Sachen unterstellt, die so nicht richtig waren. Die Zeitung ließ es so aussehen, als ob sie sich vielen verschiedenen Männer hingab und eine Affäre führte. Die Zeitung hatte es so aussehen lassen, als ob sie mit jedem in das Bett springen würde. Das ist eine Lüge. Und ich finde das unfair, dass sie für etwas "bestraft" wird, dass sie gar nicht gemacht hat. Denn alle Leute glauben, dass wäre so gewesen. Denn die Zeitung hat das so geschrieben. Es ist klar, dass manche Menschen der Zeitung alles glauben. Steht es in der Zeitung wird es wohl so sein. Doch das ist falsch. Ich finde man soll glauben, was man mit eigenen Augen sieht.

Gehen wir weiter zum Untertitel. Gewalt. Ich habe schon mal das Thema Gewalt angesprochen. Doch dort ging es um den Unterschied der körperlichen und der seelischen Gewalt. Und ich bin der Meinung, dass es hier wieder um die seelische Gewalt geht. Die Gewalt welche durch Wörter ausgedrückt werden kann. Die sogenannte verbale Gewalt. Ich glaube Böll will mit der Geschichte der Katharina Blum aufzeigen, und wohin sie führen kann. Katharinas Gewalt entstand als man sie öffentlich demütigte. Als man Schlagzeile um Schlagzeile über sie schrieb, doch nicht die Wahrheit sondern irgendwelche Spekulationen. Die Gewalt kann zu einem Mord führen. Man sieht es bei Katharina. Sie hatte solch eine Wut, dass sie gegenüber Tötges gewalttätig wurde. Schlussendlich führte diese Gewalt zum Tode.

Was das Motto anbelangt, bin ich mir noch nicht so sicher, was er damit sagen will. Aber ich gehe davon aus, dass er sagen will, dass es schon mal einen solchen Vorfall gegeben hatte. Und ich glaube dieser Vorfall war der, in den sein Sohn verwickelt war. Er will die Ähnlichkeit aufzeigen. Denn mit dieser Ähnlichkeit kann er beweisen, dass das kein Einzelfall war. Es kommt immer wieder vor. Und es wird auch nie aufhören. So verdienen die Leute, die in diesem Business arbeiten ihr Geld. Trotzdem hoff ich insgeheim, dass das irgendwann ein Ende hat. Ich finde man darf nur die Wahrheit publizieren.

(Kapitel 53-58)

Der Tod und der Mord

Irgendwann wird jeder von uns gehen. Man weiß nicht wie und wann. Doch es wird passieren. Und ich hoffe, dass niemand kurz vor seinem Tod mit unschönen Fakten über sein eigenes Kind konfrontiert wird. Denn genau das passierte Katharinas Mutter. Werner Tötges konnte es nicht lassen und tat alles dafür um in Kontakt zur Mutter von Katharina zu kommen. Das gelang ihm auch. Man teilte Katharina mit, dass ihre Mutter infolge eines Besuchs von Tötges unerwartet gestorben sei. Die arme Frau hatte gerade eine Krebsoperation hinter sich und sei deshalb ruhebedürftig. Tötges brachte den Kessel zum Überlaufen. Die ganze Geschichte über ihre Tochter Katharina war einfach zu viel. Ein zu großer Schock. Und was war Tötges Grund für seinen Besuch? Die Mutter von Katharina ist ebenfalls eine "Person der Zeitgeschichte". Das was Tötges hier abgezogen hatte ist einfach unmenschlich. Niemand hat so wenig Respekt wie er. Das ist eine Frechheit, kurz vor dem Tod einen Besuch abzustatten und ihr solch unschöne Dinge zu erzählen. Offenbar ist es die Pflicht dieser Zeitungsleute, unschuldige Menschen um Ehre, Ruf und Gesundheit zu bringen.
Katharina hatte eine Sorge mehr. Zuerst musste Katharina auf das Polizeirevier und wird dort vernommen. Später wird sie das Fressfutter der Zeitungen. Die Gesellschaft wendet sich von ihr ab und wird ihr Feind. Und zu guter Letzt stirbt ihre Mutter, der Auslöser ist ein Journalist. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass Katharinas Leben im Moment eine Katastrophe ist. Ich kann mir fast nichts Schlimmeres vorstellen.
Es gab aber auch Abschnitte im Buch, welche mich positiv überrascht haben. Anders gesagt, eine Person hat mich sehr überrascht. Ludwig Götten. Er wird als kriminell bezeichnet. Für mich ist kriminell etwas Negatives. Doch trotzdem ist er ein anständiger und ehrlicher Krimineller. Götten wurde gefasst und er wurde befragt. Er hat Katharina nicht belastet. Er hat mit großer Zuneigung und fair von ihr und über sie gesprochen. Genau das zeigt Größe. Er zieht sich nicht in den Dreck oder macht sie mit verantwortlich. Außerdem hat er, als er Katharina kennenlernte, sie nicht angelogen. Er hat gesagt, dass er von der Polizei gesucht wird. Was er alles genau verbrochen hatte, hat er ihr verschwiegen. Aber er hat sie nie angelogen.

Das Verhältnis zwischen Katharina und Sträubleder. Er wird auch als Herrenbesuch von Katharina bezeichnet. Doch ich finde das nicht ganz korrekt. Denn er hat Katharina regelrecht verfolgt. Sie ließ sich einmal von ihm nach Hause fahren und seitdem schickte er ihr Blumen und schrieb ihr Briefe. Doch Katharina hatte keinerlei Interesse. Obwohl er sehr wohlhabend ist. Außerdem ist er in der Politik und Wirtschaft und Wissenschaft sehr bekannt. Eigentlich ein perfekter Mann. Doch auf Katharina hatte er einfach nicht den richtigen Reiz ausgeübt. Im Gegensatz zu Ludwig hat er keine Chance bei Katharina.

Die Situation in der sich Katharina befand, hatte sich sehr verbessert. Götten wurde verhaftet und die Vernehmungen von Katharina wurden abgeschlossen. Trotzdem, dass was in den Zeitungen über sie geschrieben wurde, konnte man nicht einfach so löschen. Das wird in ihrem Leben nie in Vergessenheit geraten. Es bleibt immer publik.
Doch was ist jetzt mit dem Mord von Werner Tötges? Am Anfang des Buches stand geschrieben, dass Katharina zum Kriminaloberkommissar ging und sich stellte. Sie habe Werner Tötges in ihrer eigenen Wohnung erschossen. Ich schaue aus dem Fenster, diesmal bei mir Zuhause.  Ich blicke zurück und überlege mir ob sie es wirklich getan hatte. Hat sie Werner Tötges wirklich erschossen? Es wird interessant. Ich bin jetzt total gespannt und kann es kaum abwarten. Ich sitze senkrecht auf meinem Sofa. Vertieft in das Buch.
Jetzt wo ich fast am Ende des Buches bin, ist mir klar, dass Katharina einen guten Grund dafür gehabt hätte. Denn Werner Tötges war der Auslöser für den verfrühten Tod von Katharinas Mutter. Das ist nicht der einzige Grund. Viele Artikel und Schlagzeilen wurden von ihm geschrieben und durch ihn publiziert. Katharina hat Tötges in ihre Wohnung gelockt, weil er glaubte, sie würde mit ihm ein Interview führen.
"Man weiß, wie das ausging." Die verlorene Ehre der Katharina Blum, S. 119
Hier steht es also schwarz auf weiß geschrieben. Katharina ist eine Mörderin. Sie hat tatsächlich Tötges in ihrer eigenen Wohnung erschossen. Wer hätte das gedacht?

(Kapitel 41-52)

Freunde, Angst und Alois


Erst in schlechten Zeiten merkst du, wer deine wahren Freunde sind. 
Katharina weiß es jetzt, sie weiß auf wenn sie sich verlassen kann. Wer hinter ihr steht egal was passiert. In diesen Kapiteln wird aufgezeigt wie gute Freunde/Bekannte Katharina hat. Manche sind extra aus den Ferien zurückgekommen. Die anderen stehen ihr jederzeit bei. Sie kümmern sich um sie.
Ich wende mich vom Buch ab. Schaue ich in meinem Zimmer herum. Ich sehe die Bilder, die in meinem Zimmer hängen. Von mir. Von Freunden. Von meiner Familie. Ich denke scharf nach und überlege mir, ob ich weiß, wer meine wahren Freunde sind. Habe ich diese schlechte Zeit schon einmal durchgemacht und gesehen, auf wenn ich mich verlassen kann und auf wenn nicht? Ich denke nicht. Mit meinen sechzehn Jahren habe ich noch nicht so Schlimmes erlebt.

Im Buch wird immer davon gesprochen wie gefährlich Ludwig Götten ist. Er ist kriminell und ein gesuchter Straftäter. Doch was ich nicht verstehe, warum die Polizei Götten nicht von Anfang an festgenommen hat? Sie verfolgen ihn auf Schritt und Tritt, sie wissen immer wo er sich aufhält. Warum rennen sie ihm hinterher anstatt ihn endlich festzunehmen?
Ich kann mir das nur so erklären. Sie suchen den Komplizen von Götten. Und sie vermuten, dass Katharina diese Komplizin ist. Es gibt zu viele Hinweise, dass Katharina kein Zufallskontakt war. Die Innigkeit und Zärtlichkeit mit der die beiden von der ersten Sekunde an getanzt haben. Und wie schnell sie zusammen verschwunden sind. Vor allem aber die Tatsache, dass sie ihn angeblich ohne Abschied hat gehen lassen. Sie hat ihm ganz offensichtlich einen Weg aus dem Wohnblock gezeigt, wo er ohne gesehen zu werden verschwinden konnte.
Angst. Angst ist ein Grundgefühl, welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein.
Wenn solch eine Geschichte, wie Katharinas Geschichte öffentlich gemacht wird, ist klar, dass viele Leute aus irgendeinem Grund es auf sie abgesehen haben. Sie wollen ihr das Leben schwer machen. Ihr Wunsch ist es Reue für etwas zu empfinden was sie vielleicht gar nicht gemacht hat. Die Leute meinen sie würden alles besser wissen, obwohl noch unklar ist, ob das, was man Katharina unterstellt auch wirklich wahr ist. Mit anonymen Anrufen, welche Beschimpfungen und Drohungen beinhalten wird Katharina belästigt. Sie bekommt anonyme Postkarten mit sexuellen Offerten, Postkarten mit politischen Beschimpfungen, religiöse Ermahnungen und einen Sex-Artikelkatalog. Katharina hat Angst. Angst vor den Leuten und der Welt.

Das tut weh. Zu wissen das es so viele Menschen auf dieser Welt gibt, die sich so sehr auf Spekulationen verlassen und dann solche Dinge tun. Was hat Katharina diesen Menschen angetan? 

Es gibt viele Gerüchte. Die Blornas fangen selber an sich Gedanken darüber zu machen. Was hat Katharina getan und was nicht. Sie wissen nur eines. Eine Frau wie Katharina, die zwei lebensgefährliche Eigenschaften hat: Treue und Stolz, würde niemals, niemals zugeben, dass sie diesem Jungen einen Fluchtweg gezeigt hat. Denn eines wissen die Blornas, Katharina hat ihm zur Flucht verholfen. Genau genommen tragen die Blornas auch Schuld, was das Gelingen der Flucht betrifft. Sie haben Katharina einen Plan gegeben, auf dem alle Gänge des Hauses eingezeichnet sind. Eine ideale Einleitung ungesehen ein und auszugehen. Da stellt sich natürlich die Frage ob ihr/ihre Herrenbesuch/e dieselben Geheimgänge benutzten wie Götten. 
Jetzt ist das Geheimnis gelüftet. Endlich habe ich Gewissheit. Ich war überrascht, dass dieser Alois Sträubleder der Herrenbesuch ist von dem immer gesprochen wurde. Die Zeitungen sprachen immer von mehreren Männern oder mehreren Besuchern. Doch es war immer nur einer. Es ist schockierend, wie viel darüber diskutiert wurde, wie viele und wer diese Männer sind. Hat Katharina kein Stück Privatsphäre mehr? Sie muss alles Preis geben bei dem Verhör der Polizei. Und was hat sie davon? Sie wird gedemütigt. Öffentlich. Bekommt Drohungen. Dafür, dass sie die Wahrheit sagte und offen gegenüber der Polizei war, wird sie bestraft. Ist das Gerechtigkeit? 
(Kapitel 31-40)

Montag, 19. Januar 2015

Veränderungen in Katharinas Leben

Ich befinde mich gerade in der Mediothek der Kantonsschule. Die Atmosphäre gefällt mir sehr gut. Vor mir ist ein großes Fenster, dazu noch eine wunderschöne Aussicht. Ich sitze in einem sehr bequemen Stuhl. Mit entspannender Gitarrenmusik lese ich mein Buch weiter. Meine Motivation hält sich in Grenzen. Ich bin noch sehr müde und muss aufpassen, dass ich während dem Lesen nicht einschlafe. Trotzdem gehe ich meinen Verpflichtungen nach und lese. Endlich passiert das, was geschehen musste. Durch die Zeitung wird die ganze Gesellschaft auf Katharina aufmerksam. Die Unterstellungen und Verdächte werden der ganzen Gesellschaft preisgegeben. Es ist kein Geheimnis mehr. Katharina wird beschuldigt in die Verschwörung verwickelt zu sein. Sie sei die Geliebte von Götten. Außerdem vermutet man, dass sie an dem Raubüberfall beteiligt war.
Es wird nie mehr so sein, nie mehr. Sie machen das Mädchen fertig. Wenn nicht die Polizei, dann die Zeitung, und wenn die Zeitung die Lust an ihr verliert, dann machen`s die Leute.Die verlorene Ehre der Katharina Blum (Buch), S. 40
Das Klischee der Journalisten bestätigt sich. Sie denken nur an sich. Sie machen alles für Informationen und sind dabei sehr aufdringlich. Sie kennen keinen Anstand und Moral. Im Buch steht, dass sie sogar zu Katharinas schwerkranken Mutter gegangen sind um ihre Informationen zu sammeln. Katharinas Mutter ist krebskrank. Die arme Frau hat sich ihre Zeit vor dem Tod sicherlich anders vorgestellt. Anstatt mit ihren Liebsten die Zeit zu verbringen, wird sie von Journalisten befragt. Ich bin fest davon überzeugt, dass sie sich nicht mit wildfremden Journalisten abgeben will, welche ihre Tochter in ein schlechtes Licht stellen wollen. Wer, Bitteschön hat so wenig Anstand und macht so etwas?
 Ein wichtiger Punkt, den ich noch erwähnen will. Ich stelle mir schon seit Anfang immer dieselbe Frage. Ist Katharina schuldig oder nicht? Hatte sie auf irgendeine Art gegen das Gesetz verstoßen? Ich kann nur sagen, sie ist nicht unschuldig. Katharina half Götten unbemerkt aus ihrer Wohnung zu verschwinden. Als sie seine Flucht ermöglicht hatte, musste sie Mitwisserin gewisser Straftaten gewesen sein.
 Trotzdem tut mir diese Katharina Blum sehr leid. Es ging natürlich nicht an ihr vorbei, was man über sie berichtete. Selbstverständlich hatte sie die Zeitung auch gelesen. Aber Katharina ist nicht dumm. Sie hinterfragt das Ganze. Ihr Wunsch ist es, ihre verlorene Ehre wiederherzustellen. Was sie auch nicht verstehen kann ist, woher die Presse über die Männerbesuche Bescheid wusste. Als Erklärung sagte man ihr das:
"Durch ihre Bekanntschaft mit Götten sei sie jetzt eine Person der Zeitgeschichte und damit Gegenstand berechtigten öffentlichen Interesses." (Die verlorene Ehre der Katharina Blum, S. 60) 
Ist das alles? Ist das die Entschuldigung dafür, dass Katharinas Leben auf den Kopf gestellt wurde? Die ganzen Leute werden mit falschen Informationen über Katharina gefüttert. Die Journalisten verformen die Tatsachen. Es geht gar nicht mehr darum die Wahrheit heraus zu finden, sondern möglichst interessante Artikel zu verfassen. Ihre Aufgabe ist es die Welt, die Leute zu unterhalten. Sie zu überraschen. Sie nehmen das mit der Wahrheit nicht so genau. Ihnen ist es egal, was Katharina durchmachen muss. Schließlich sind sie nicht an ihrer Stelle. Es kann ihnen komplett egal sein. Doch das Schlimme daran ist, dass Katharina nichts dagegen unternehmen kann. Katharina kann nur zusehen, wie ihr Leben gerade zerstört wird. Zerstörung und auch Verstörtheit, ist an ihr bemerkbar geworden. Was etwas sehr Natürliches ist, wenn man die Situation anschaut in der sich Katharina gerade befindet. Mir ist klar, dass Katharinas Rolle untersucht werden muss, doch ist diesen Journalisten überhaupt klar was sie damit anrichten? Was wäre wenn dieses Schicksal ihnen zusprechen würde? 

Was mich sehr verwundert hatte, war wie schnell sich dein oder Katharinas Schicksal verändern kann. Vor kurzem war sie eine ganz normale, nicht auffällige Person. Und plötzlich befindet sie sich auf Titelblätter der Zeitung und man spricht nur noch von ihr. Von ihrem Leben und von ihrem angeblichen Liebhaber Ludwig Götten.

(Kapitel 21-30)

Sonntag, 18. Januar 2015

Fakten

Die ersten paar Seiten eines Buches sind meiner Meinung nach ein paar von den Wichtigsten. Überzeugen die ersten Seiten nicht, so hört man mit großer Wahrscheinlichkeit auf zu lesen. Das ist oder war mein Problem. Bevor das erste Kapitel anfängt, steht eine kurze Beschreibung über Katharina und ihr jetziges Leben. Außerdem ist ein kleiner Abschnitt über Böll, da stehen sehr schmeichelhafte Dinge über ihn. Eine Zusammenfassung seines Lebens befindet sich auch noch auf dieser Seite. Als ich diese Seite las, war ich begeistert. Es hörte sich sehr interessant an. Katharina verliebt sich einen gesuchten, radikalen Rechtsbrecher. Wäre das noch nicht alles, sie verhilft ihm sogar zur Flucht. Schlussendlich gerät sie in das Visier einer Boulevardzeitung. Überzeugt. Diese Aussagen überzeugten mich vollkommen. Es hörte sich fantastisch an.
Doch leider blieb das Buch nicht so interessant wie auf der ersten Seite. Ich las die ersten  Kapitel in der Schule. Natürlich ganz konzentriert und in das Buch vertieft, las ich Zeile um Zeile. Nach diesen ersten Kapiteln wusste ich bereits, dass ich Bücher wie dieses niemals in meiner Freizeit geschweige denn freiwillig lesen würde. Aber ich kann noch nicht sehr viel sagen. Es ist falsch, anhand der ersten Kapitel über das Buch zu urteilen. Also las ich weiter.
Es geht um den Fall der Katharina Blum. Der Autor schreibt als erstes von seinen Quellen. Anscheinend muss diese Angabe der Quellen sehr wichtig sein, denn ansonsten würden sie ja nicht am Anfang stehen. Diese Quellenangaben waren für mich zum Lesen nicht sonderlich spannend. Ich kann gut verstehen, wenn dieser Heinrich Böll aufzeigen will, woher seine Informationen kommen. Doch muss das genau am Anfang stehen?
Nach den ersten zwei Kapiteln kommt er endlich zur Sache. Die Einzelheiten über den Mord von dem Journalisten Werner Tötges. Und es kommt sogar besser, es gibt noch einen Toten. Das irritierte mich ein wenig. Im Klappentext stand nichts von einem Doppelmord oder zweiten Opfer. Das wär ein sehr schöner Moment. Endlich war etwas gekommen, womit ich nicht gerechnet hatte. 
Im sechsten Kapitel kommt die Zeitung ins Spiel. Es war klar, dass wenn zwei Journalisten erschossen werden, die Zeitung übertreiben muss. Anscheinend ist ein Mord an einem Journalisten besonderer als ein Mord an einem Gärtner oder einfachen Bürger. Unfair aber wahr. Als ob ein Journalist mehr wert ist als ein normaler Bürger.
Doch Hauptaussage in diesem Kapitel war etwas anderes. Wäre Tötges nicht Journalist gewesen, wäre er nicht erschossen worden. Das schockiert mich. Kann der Beruf, der Grund dafür sein das du stirbst? 
Katharina wird verhört. In der Vernehmung erzählte sie ihre ganze Lebensgeschichte. Ich werde nicht jede Einzelheit aus Katharinas Leben wiedergeben. Doch will ich sagen, dass Katharina angeblich öfters Männerbesuch hatte. Ich bin entsetzt, denn zuerst heißt es, sie sei eine Nonne und jetzt das. Was soll ich glauben? Katharina stritt die Männerbesuche nicht ab. Sie gab zu, dass sie Ludwig Götten kennengelernt hatte. Ich vermute, dass dieser Ludwig Götten, der Herr ist, in den sie sich verliebt hatte. Der Kriminelle dem sie geholfen hatte. Sie hatte ihm bei sich in der Wohnung Schutz gewährt. Die Polizisten hatten die Wohnung zwar bewacht und können sich deshalb nicht erklären, wie Ludwig abhauen konnte. Das war der Grund, weshalb Katharina befragt wurde. 
"Lassen Sie die Finger vom Telefon und schlagen Sie morgen keine Zeitung auf, wobei nicht klar war, ob er die ZEITUNG meinte oder Zeitungen schlechthin." Was will der Polizist, der Katharina nach Hause fuhr, damit sagen? Eines ist klar, Katharina hat sich da in etwas sehr Gefährliches hineingesteigert. Kontakt mit einem gesuchten Kriminellen haben, das kann nicht gut kommen. Außerdem wissen wir alle, wie mächtig die Medien sind. Sie könnten Katharinas Leben für immer zerstören. Die Journalisten werden Katharinas ganzes Leben auf den Kopf stellen. Sie werden über sie recherchieren und sie werden sie nicht mehr aus den Augen lassen. Die Polizei nicht und die Journalisten auch nicht. Katharina könnte ihr Leben nie wieder so führen, wie sie es bis jetzt geführt hatte. Doch wird es überhaupt soweit kommen?
(Kapitel 1-20)